fliegende Schiffe

Man glaubt es kaum, heute früh zum Sonnenaufgang hat uns Hiddensee aus der Zwangspause befreit. Sehr sehr schade, aber auch gut so. Exakt mit Sonnenaufgang sind wir ausgelaufen und hatten einen irrsinnig tollen Segeltag vor uns.

Tschüß Hiddensee und danke für die Gefangenschaft!

Um aus dem Bodden rauszukommen braucht es schon seine 1,5 Stunden und es war teilweise so böig, daß wir beschlossen haben, wenn wir “draußen eins auf die Nase bekommen” umzukehren. Daraus wurde aber nichts. Die See war zwar ziemlich chaotisch und die Wellen zeigten uns, was sie so können, wir blieben aber unbeeindruckt davon und haben uns von der Steilküste freimotort um dann hoch am Wind mit einem Reff im Groß und auch in der Genua loszulegen.

Ich habe mich begeistert an die Segel gemacht, allerdings die enormen Kräfte die am Mast bei solchen Verhältnissen wirken, nicht so ganz einberechnet. Ich war mit meinen Kräften sehr schnell völlig am Ende. Olaf gab mir alle Chancen, aber wenn das Schiff so auf und ab tanzt mit allen Hebelgesetzen dieser Welt war ich kurz vorm heulen. Froh eingepickt zu sein habe ich es natürlich doch geschafft, bin aber dann fein vom Vorschiff zurückgekrochen ins Cockpit. Dann musste ich mich erst mal hinlegen. Ein Marathon kann nicht schlimmer sein. Egal – wir sind ja unterwegs um zu lernen. Als ich so brav im Salon auf der Lee Seite lag war ich ab und zu Schwerelos. Bei jeder fetten Welle flogen wir ins Wellental und ich unten auf meinem gemütlichen Salonplatz auch. Ich tauchte aber genau so sanft in die Kissen, wie unsere Heart of Gold ins Wasser. Herrlich. Das Geschirr klapperte wild umher, die Schranktüren blieben alle brav zu, also nichts aufregendes. Auf dem Wasser war sehr viel los, auch schon um die Uhrzeit, den Gedanken den Tag zu nutzen hatten wohl viele. Später wurde es noch richtig voll. Wir hatten etwas später das spannende Vergnügen einen langen u und guten Funkverkehr mitzubekommen ( wir haben das UKW im Cockpit). Ein Motorboot hatte Probleme mit dem Motor (der sich unter Deck in Qualmentwicklung ergoß) und forderte höchst professionell Hilfe an, die auch sehr schnell kam. Ca. 3Stunden später hörten wir dann die Danksagung des Havaristen an alle Beteiligten. War schön zu hören, wie ruhig so etwas auch abgehen kann.

Bei uns stellte sich indes das Essen als kleine Kunst heraus, denn der Wind blies mir immer den wunderbar schmeckenden Bohneneintopf vom Löffel. Auf ein Foto habe ich verzichtet, ich denke Ihr könnt Euch alle vorstellen, wie das ausgesehen haben mag…. Schade, ich hätte gerne mehr davon gegessen. Die größte Herausforderung des Tages für uns beide war jedoch jeweils der Gang ins Bad auf die Toilette. Und was muß man natürlich genau an solch einem Tag???? Ständig pinkeln! Ich wünschte mir jedes Mal ein Oktopode zu sein, mir fehlten ein paar Arme und Beine um mich

  • einzuspreizen und natürlich auch wieder
  • aufzurichten

Gott sei Dank ist das Bad so klein, da kann man nicht weit fliegen, wehgetan hab ich mir trotzdem. Wobei wir auf Hiddensee von einer Seglerin gehört haben, daß sie neben einem Schiff lag, auf dem sich jemand auf der Toilette das Genick gebrochen hatte weil die Welle so ungünstig kam und er so ausgehebelt wurde, daß er mit dem Kopf gegen die Decke knallte. Also so blöd kann man garnicht denken, wie das Leben tatächlich sein kann. Da hatten wir es richtig gut heute mit unserer Akrobatik. 😁

Dusche auch im Cockpit heute

Der Wind nahm am Nachmittag noch kräftig zu und so flogen wir bei 7bf und ca. 1,5 m Welle bei bestem Wetter dahin und hatten größten Spaß daran. Nun sind wir in Warnemünde, der letzte Hafen vor dem Heimathafen. Morgen ist es dann endgültig so weit….. Mir tun die Knochen weh und ich fühle mich völlig zerrockt, aber schee war’s trotzdem 💛

Herzliche vorletzte Grüße aus der Ostsee *SanDee & Olaf*

7 Antworten auf „fliegende Schiffe“

  1. Eure Berichte haben uns immer sehr schön die langen Wochen vor dem Segelurlaub verkürzt . Super geschrieben, wecken Erinnerungen und machen Lust auf Neues.
    Vielen Dank dafür und bringt die letzten Meilen noch gut hinter Euch. Wir sehen uns dann in Heiligenhafen und trinken einen auf Euren tollen Törn. (mit Bildershow bitte… 🙂 )
    Lg
    Heide und Jan

  2. Vielen Dank für die wunderbar entführenden Reiseberichte.
    Ich war immer selbst dabei und finde es sehr schade, daß es nun auch für uns vorbei ist…
    Freuen uns aber sehr, Euch bald wieder an Land zu haben!
    Für die letzten Seemeilen noch einen tollen Tag,
    Ganz liebe Grüsse Kri

    1. Moin,
      nee wir sind selber im Urlaub. Noch bis Sonntag den 21.07…
      Die Bilder von dem Anholt privat Hochdruckgebiet habt ihr ja gesehen. Jetzt reisen wir mit der Sonne nach Hause…

      1. Moin,
        wie schade, dann sehen wir uns nicht mehr, da sind wir schon daheim.
        Habt noch eine tolle Woche und vielen Dank für Eure Begleitung, war immer schön auch von EUCH zu lesen!
        Bis zum nächsten Mal, liebe Grüße, die Nachbarn 😉

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